Adaptive Agency Dialog

Das Konzil – wie eine GoogleAds Agentur seit 2018 systematisch an sich selbst arbeitet

Warum die Shopmonauten seit 2018 ein jährliches Konzil abhalten — moderiert von außen, nicht vom Chef

Host Arne Tensfeldt spricht mit Frank Geiger zum Thema: Wie eine kleine Google-Ads-Agentur seit 2018 mit einem jährlichen Strategie-Offsite – intern „Das Konzil“ genannt – systematisch an sich selbst arbeitet. Frank ist Gründer und Eigentümer der Shopmonauten GmbH, einer auf Google Shopping spezialisierten Agentur mit sechs Mitarbeitenden, die seit 2022 vollständig remote arbeitet. Im Gespräch erklärt er, warum ein externer Coach die Moderation übernimmt und der Chef bewusst die Klappe hält, bis alle anderen gesprochen haben. Außerdem: wie das Konzil zuletzt den Startschuss für das „Shopmo Brain“ gab – einen eigenen KI-Server, der Google-Ads-Konten analysiert und Mitarbeitende bei der Arbeit unterstützt. Ein Gespräch für Agenturinhaber:innen, die wissen wollen, wie strategische Selbstreflexion in kleinen Teams konkret aussieht.

Frank Geiger

Frank Geiger ist Gründer und Eigentümer der Shopmonauten GmbH, einer auf Google Shopping spezialisierten Agentur mit Sitz im Großraum Stuttgart. Mit einem vollständig remote arbeitenden Team von sechs Personen steht er für strukturierte Agenturentwicklung, konsequente Tool-Disziplin und die systematische Integration von KI in den Agenturalltag.

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Wie arbeitet eine kleine, vollständig remote aufgestellte Agentur systematisch an sich selbst – und das bereits seit 2018? Arne Tensfeldt spricht mit Frank Geiger, Gründer der Shopmonauten GmbH, über das jährliche Strategie-Offsite, das intern „Das Konzil" heißt, und darüber, was drumherum an Struktur nötig ist, damit eine Remote-Agentur funktioniert und sich weiterentwickelt.

Das Konzil: Was steckt hinter dem Begriff?

Ursprung: Irgendwann sagte jemand im Team, es sei wieder Zeit für das „shopmonautische Konzil" – der Begriff blieb, ohne dass jemand nachgeschlagen hatte, was er bedeutet. Dass Kleriker in Konzilen über die Geschicke der Kirche entscheiden, passt laut Frank aber gut.

Einmal im Jahr fährt die gesamte Belegschaft an einen anderen Ort – bisher unter anderem nach Rom, ins bayerische Hinterland und nach Dresden. Vier Tage, strukturierte Arbeit an unternehmerischen Fragen, kombiniert mit gemeinsamer Freizeit.

Kernerkenntnis: Das Konzil gab es schon vor Corona. Remote-First hat ihm aber eine neue Bedeutung gegeben: Ohne regelmäßige Präsenztreffen lässt sich eine reine Remote-Firma nach Franks Einschätzung nicht am Leben halten.

Remote-First: Wie es dazu kam

Baseline: Der Übergang ins Homeoffice war kein strategischer Entschluss, sondern ein schrittweiser Prozess. Corona zeigte, dass das Team gut vorbereitet war. Danach reduzierten sich Bürotage sukzessive – bis Frank und das Team 2022 entschieden, das Büro ganz aufzugeben.

Heute sind die sechs Mitarbeitenden über Süddeutschland verteilt: von Dresden bis Mannheim, Würzburg, München und Stuttgart. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit von drei bis fünf gemeinsamen Events pro Jahr – das Konzil ist das wichtigste davon.

Moderation und Rollenklarheit: Der Chef hält die Klappe

Ein externer Unternehmensberater moderiert das Konzil. Das ist kein Zufall, sondern Prinzip. Frank beschreibt es direkt: Wenn er als Chef etwas sagt, finden die anderen seine Ideen eigentlich immer gut – und das macht Diskussionen weg.

Methode: Mitarbeitende bringen Themenwünsche ein. Frank hält sich zurück, bis alle gesprochen haben, und ergänzt allenfalls am Ende. Für bestimmte Themen verlässt er den Raum bewusst, damit das Team ohne ihn diskutiert. Der Coach hat explizit die Aufgabe, darauf zu achten.

„Wenn ich als Chef was sage, finden die anderen meine Ideen eigentlich immer gut – und das macht Diskussionen weg."

Inhalte: Was auf dem Tisch landet

Operative Kundenthemen sind explizit ausgeschlossen. Es geht um unternehmerische Fragen: Vertrieb, Mitarbeiterzufriedenheit, Weiterbildung, Workflows, neue Technologien. Klassiker wie die SWOT-Analyse kommen zum Einsatz, aber immer geführt durch den externen Coach.

Aktuelles Beispiel (Learning/Delivery): Im letzten Konzil stand KI im Mittelpunkt. Das Ergebnis: die Entscheidung, das „Shopmo Brain" einzuführen – einen eigenen KI-Server, der Google-Ads-Konten anbindet und Mitarbeitende per Chat mit kontextbezogenen Vorschlägen unterstützt.

Tool-Einführung: Alle dürfen mitentscheiden

Prozess: Ein Mitarbeitender recherchiert, schlägt zwei bis drei Tools vor. Das Team reduziert auf zwei, alle probieren beide aus, dann wird gemeinsam entschieden. Das gilt für jedes neue Tool.

Frank erwartet von allen Mitarbeitenden – und sagt das auch in Vorstellungsgesprächen – die Bereitschaft, jederzeit neues Werkzeug benutzen zu wollen. Ablehnung gegenüber Neuem hat er im Team bisher nicht erlebt.

Operative Struktur: Daily, Chat, ClickUp

Daily: Jeden Morgen um 9 Uhr ein kurzes Videomeeting. Jede:r berichtet, was ansteht und ob direkter Abstimmungsbedarf besteht. Freitags gibt es zusätzlich eine soziale Runde, in der Mitarbeitende etwas Persönliches über sich erzählen.

Chat-Regel: Google Chat ist offen und erreichbar – aber kein Ort für Aufgaben. Motto: „Aus den Augen, aus dem Sinn." Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Kommunikation zu einzelnen Vorgängen laufen über ClickUp.

ClickUp: Hoch konfiguriert, mit Kunden-Onboarding-Templates, Mitarbeiter-Onboarding und -Offboarding, Firmenwiki und Integration ins Shopmo Brain.

Recruiting: Das Team entscheidet mit

Früher, als alle noch in München waren, lud Frank Bewerber:innen zu einem halben Tag ein – freitagnachmittags, wenn alle da waren. Danach ging es gemeinsam Bowling oder Wandern. Das Team hatte so die Möglichkeit zu sagen: Der oder die passt, den oder die wollen wir haben.

Drei Dinge, die du morgen anders machen kannst

  1. Trenn Strategie von Betrieb: Plane ein jährliches Offsite, das ausschließlich unternehmerischen Fragen gewidmet ist – kein Kundenfeedback, keine operativen To-dos.
  2. Hol dir externe Moderation: Gib die Moderationsrolle ab, damit du als Inhaber:in vollständig Teilnehmer:in sein kannst – und deine Anwesenheit keine Diskussionen abwürgt.
  3. Gib jedem Tool ein Regelset: Lege schriftlich fest, wofür ein Tool genutzt wird und wofür nicht – bevor der erste Wildwuchs entsteht.

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