Wie eine Studie mit über 250 Agenturführungskräften zeigt, dass nicht Preisdruck, sondern fehlende Prognosefähigkeit Agenturen am stärksten belastet
Host Arne Tensfeldt spricht mit Falk Bielesch zum Thema: Was die Agenturbranche wirklich unter Druck setzt – und warum die öffentliche Debatte am Kern vorbeigeht. Falk ist CEO der everii Group, einem führenden Anbieter von ERP-Lösungen für Agenturen, Architekten und Beratungsunternehmen im deutschsprachigen Raum. Im Gespräch erklärt er, warum Planungsunsicherheit in einer Befragung von über 250 Agenturführungskräften alle anderen Themen dominiert hat – noch vor Preisdruck und KI. Er zeigt außerdem, warum das klassische Stundenmodell strukturell unter Druck gerät, wenn KI-basierte Wertschöpfung keine fakturierbaren Stunden mehr erzeugt. Dazu: Welche zwei Faktoren Agenturlenker:innen nachweislich gelassener machen – und warum Größe dabei keine Rolle spielt. Ein Gespräch für Agenturinhaber:innen und Führungsteams, die verstehen wollen, wo der echte Hebel liegt.

Falk Bielesch ist CEO der everii Group, einem führenden Anbieter von ERP-Lösungen für Agenturen, Architekturbüros, Ingenieurbüros und Beratungsunternehmen im deutschsprachigen Raum. Er steht für datenbasierte Unternehmenssteuerung und kommerzielle Transparenz als Grundlage für strategische Entscheidungen in der Kreativwirtschaft.
Was treibt die Agenturbranche wirklich um – und deckt sich das mit dem, was öffentlich diskutiert wird? Arne Tensfeldt spricht mit Falk Bielesch, CEO der everii Group, über die Ergebnisse einer Branchenstudie mit über 250 befragten Agenturführungskräften. Die Befunde sind ernüchternd präzise: Die lautesten Themen sind nicht die drängendsten.
In LinkedIn-Feeds und Branchengesprächen dominieren Preisdruck, KI und Fachkräftemangel. Die Studie der everii Group zeichnet ein anderes Bild.
Das meistgenannte Problem in der Befragung ist nicht Preisdruck, sondern Planungsunsicherheit. Die Unfähigkeit, mittelfristige Prognosen zu erstellen, weil die Anzahl gleichzeitiger Disruptions so groß geworden ist, dass verlässliche Szenarien kaum noch möglich erscheinen. Falk beschreibt es so: Agenturen befinden sich in einem stetigen Reaktionsmodus – nicht weil sie schlecht geführt werden, sondern weil das Datengerüst für Prognosen fehlt.
Auf Sicht fahren ist nicht nur ein strategisches Problem – es ist ein Führungsproblem. Wenn ein Leadership Team nicht weiß, wo es in drei Monaten steht, überträgt sich diese Unsicherheit auf die gesamte Organisation.
Proaktive Entscheidungen setzen Prognosefähigkeit voraus. Wer keine belastbare Datenbasis hat, kann keine eigene Richtung vorgeben – er reagiert nur auf äußere Umstände.
Die Studie zeigt eine auffällige Diskrepanz: Der Druck durch sinkende Kundenbudgets wird mit 7,6 von 10 Punkten bewertet. Der Druck auf das eigene Preismodell nur mit 5 von 10.
**Delivery:** Das klassische Stundenmodell bleibt das dominierende Abrechnungsformat – obwohl KI-basierte Wertschöpfung zunehmend keine fakturierbaren Stunden mehr erzeugt. Tokens kosten Geld, lassen sich aber im Stundenmodell nicht abbilden. Falk formuliert es direkt: Wer Kosten generiert, die er nicht monetarisieren kann, hat ein strukturelles Problem im Geschäftsmodell – auch wenn er es noch nicht als solches benennt.
Arne und Falk diskutieren, ob Kunden, die KI-Tools intern einsetzen, dauerhaft weniger bei Agenturen anfragen werden. Die These: Ebbe und Flut. Erste Euphorie, dann Ernüchterung, dann Rückkehr zum Experten – mit oder ohne KI.
Das Muster kennt man aus der Softwareentwicklung: Unbegrenzte Generierungskapazität ist nur dann wertvoll, wenn erfahrene Menschen das Ergebnis bewerten und freigeben können. Falk ist überzeugt, dass menschliche Qualitätssicherung in KI-gestützten Workflows an Bedeutung gewinnt – nicht verliert.
Agenturen mit Retainer-Modellen berichten von mehr Stabilität als solche, die primär auf Projektgeschäft setzen. Planbare Umsatzlinien reduzieren den kurzfristigen Optimierungsdruck.
Größe ist kein Schutzfaktor. Was Gelassenheit erzeugt, ist die Fähigkeit zu datenbasierter Entscheidungsfindung: Wer Umsatz, Kosten und Profitabilität auf Projektebene kennt und Szenarien für die nächsten Monate bauen kann, agiert aus einer anderen Position als jemand, der auf Monatszahlen wartet.
Agenturen, die Fachexpertise und Kundenbetreuung in einer Rolle zusammenführen, schaffen einen strukturellen Vorteil. Falk beschreibt das aus eigener Erfahrung mit seiner früheren Social-Media-Agentur eSum Advertising: Mitarbeiter:innen, die sowohl operativ umsetzen als auch strategisch beraten können, sind früher im Entscheidungsprozess des Kunden – und damit schwerer zu ersetzen.
Arne ergänzt: Der Übergang vom Umsetzungspartner zum Trusted Advisor ist keine Frage der Unternehmensgröße, sondern der Haltung und der Qualifikation der Menschen, die Kundenkontakt haben.
Falk benennt zwei weitere Faktoren für die mittelfristige Wettbewerbsfähigkeit. Erstens: Spitze Positionierung schlägt Full-Service-Ansatz. In einem Markt mit vielen Anbietern und zunehmend KI-generiertem Output ist Spezialisierung ein Differenzierungsmerkmal.
Zweitens: Marke gewinnt an Bedeutung. In einer Informationsflut, in der immer mehr Content künstlich erzeugt wird, werden Marken zum Orientierungsanker. Agenturen mit Fokus auf Markenentwicklung und Branding dürften davon profitieren – weil Marke in einer KI-Welt nicht weniger, sondern mehr zählt.
Die Studie der everii Group liefert eine klare Botschaft: Die Branche diskutiert die Symptome, nicht die Ursachen. Planungsunsicherheit, ein strukturell angreifbares Stundenmodell und fehlende kommerzielle Transparenz sind die eigentlichen Baustellen. Agenturen, die jetzt an diesen Stellschrauben arbeiten – Forecasting, Monetarisierungsmodell, Positionierung – schaffen die Voraussetzung, um aus einer Position der Stärke zu agieren, statt dauerhaft zu reagieren.
Link zur Umfrage: agencyreport.everii.io bzw. auch https://askensio.de/adaptive-agency-report
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