Adaptive Agency Dialog

Vom Bottleneck zum zweiten Standbein – Wie KI-Creatives den Leistungskatalog erweitern

Warum AdStrat die Abhängigkeit von Kunden-Assets beendet hat – und das neue Angebot auch anderen Agenturen anbietet

Host Arne Tensfeldt spricht mit Arne Rosemeyer zum Thema: Wie eine Performance-Marketing-Agentur aus einem klassischen Bottleneck ein zweites Standbein macht. Rosemeyer ist Gründer und Geschäftsführer der AdStrat GmbH aus Hamburg. Eine Agentur mit zehn Jahren Markterfahrung und zehn Mitarbeitenden, die das gesamte Spektrum bezahlter Werbung abdeckt. Im Gespräch erklärt er, warum die Abhängigkeit von Kunden-Assets bei Video- und Bildmaterial lange ein Wachstumshemmnis war – und wie ein gezieltes Recruiting die Lösung brachte. Er beschreibt, wie KI-generierte Creatives den Produktionsprozess grundlegend verändern und was dahinter an Handarbeit steckt. Außerdem: Warum das neue Angebot auch für andere Agenturen als Subdienstleistung funktioniert – und welche Transferfrage sich jede Agentur stellen sollte. Ein Gespräch für Agenturinhaber:innen, die ihren Leistungskatalog gezielt erweitern wollen.

Arne Rosemeyer

Arne Rosemeyer ist Gründer und Geschäftsführer der AdStrat GmbH, einer Performance-Marketing-Agentur mit zehn Mitarbeitenden. Er ist seit 17 Jahren im Bereich Google Ads aktiv und verantwortet ein Portfolio, das Google Ads, Meta Ads, Microsoft Ads, TikTok und LinkedIn umfasst. Seit Oktober 2024 ergänzt die Agentur ihr Angebot um KI-generierte Creatives und Videos.

https://www.linkedin.com/in/arnerosemeyer/

Wer nur liefert, was der Kunde mitbringt, ist von der Qualität des Kunden abhängig. Arne Rosemeyer, Gründer und Geschäftsführer der AdStrat GmbH, hat diesen Engpass erkannt und daraus ein neues Geschäftsfeld entwickelt: KI-generierte Creatives und Werbevideos. Host Arne Tensfeldt spricht mit ihm darüber, wie dieser Schritt entstanden ist, was er technisch und organisatorisch bedeutet – und welche Frage sich jede Agentur stellen sollte.

Vom Bottleneck zum Baustein: Wie das Creative-Problem entstand

Die AdStrat GmbH ist seit zehn Jahren am Markt und deckt das vollständige Portfolio bezahlter Werbung ab – von Google Ads über Meta bis TikTok und LinkedIn. Das Kernproblem war lange dasselbe: Kunden lieferten Bild- und Videomaterial in wechselnder Qualität, und die Agentur musste damit arbeiten – oder auf externe Dienstleister ausweichen.
Arne Rosemeyer beschreibt es direkt: „Wir sind halt mehr Marketer, Zahlenmenschen, nicht die Kreativen, die sich jetzt hinsetzen und da ein Video bauen." Interne Versuche mit Werkstudierenden oder einer Grafikerin deckten den Bedarf nicht. Videos, die als Werbespots funktionieren, entstanden so nicht.

Recruiting als Wendepunkt: Der richtige Mensch zur richtigen Zeit

Die Lösung kam über eine gezielte Stellenausschreibung. Mit Lukas fand die Agentur jemanden, der Motion Design studiert hat, Erfahrung aus echten Filmproduktionen mitbringt und sich auf KI-Modelle spezialisiert hat. Diese Kombination ist entscheidend.
**Kernerkenntnis:** Das Wissen aus der klassischen Filmwelt – Bildkomposition, Timing, Nachbearbeitung – ist die Voraussetzung dafür, dass KI-generierte Videos auf TV-Spot-Niveau wirken. Prompting allein reicht nicht.

Der Produktionsprozess: Was hinter einem KI-Video steckt

Ein fertiges Werbevideo entsteht nicht mit einem einzigen Prompt. Der Prozess umfasst Konzeption, Bildgenerierung, Aussortieren von Ausschuss, Videogenerierung, klassisches Editing mit Adobe-Tools, Sounddesign, Musik und Untertitel. Pro Video fallen rund zwei Tage Arbeit an.
Arne schätzt die Kostenersparnis gegenüber klassischen Modelshooting-Produktionen auf rund 90 Prozent. Ein laufendes Beispiel: Ein Modehändler lässt KI-Modelle in seiner Kleidung auftreten – mit entsprechender Kennzeichnung, die gesetzlich bereits vorgeschrieben ist, wenn KI-Menschen im Bild sind.

Differenzierung im Sales: Das neue Angebot als Gesprächsöffner

Auf Networking-Veranstaltungen ist das Thema KI-Videos ein wirksamer Einstieg. Arne schickt Interessierten einen Link mit Beispielvideos – und beobachtet, dass daraus konkrete Anfragen entstehen. Performance Marketing bieten viele Agenturen an. KI-Creatives in dieser Qualität nicht.
„Diese KI-Videosache ist halt schon was, was die meisten da draußen nicht so können oder wenn sie es machen halt nicht in der ähnlichen Qualität."

B2B-Erweiterung: Andere Agenturen als Kundinnen

Das Angebot richtet sich nicht nur an direkte Endkunden. Andere Agenturen fragen aktiv an, ob AdStor.de Creatives auch für deren Kampagnen produziert. Rosemeyer hat schnell zugestimmt: Ob das Video für eigene oder fremde Kampagnen genutzt wird, ist zunächst zweitrangig.
Der Unterschied: Bei eigenen Kampagnen sieht die Agentur die KPIs und kann Cases aufbauen. Bei Lieferungen an andere Agenturen fehlt dieses Feedback. Trotzdem ist das Modell sinnvoll – es erweitert den adressierbaren Markt, ohne den Kernbereich zu gefährden.

Skalierung und Grenzen: Was realistisch ist

Arne ist nüchtern, was das Wachstumspotenzial angeht. Solange jedes Video zwei Tage Handarbeit erfordert, ist die Kapazität begrenzt. Eine Ausgründung oder ein Team von zwanzig Personen, die nur Videos produzieren, ist nicht das Ziel.
Das mittelfristige Ziel: eine stabile monatliche Anzahl von Videos für Bestandskunden – idealerweise solche, die regelmäßig neue Creatives für YouTube- oder Instagram-Kampagnen benötigen und diese gegeneinander testen wollen.

Algorithmen und Creatives: Warum das Timing passt

Mit dem Andromeda-Update bei Meta hat sich die Logik verschoben: Nicht mehr die Kampagneneinstellungen sind der primäre Hebel, sondern die Qualität und Vielfalt der Creatives. Meta scannt die Videos und entscheidet selbst, welche Zielgruppe welches Creative sieht.
Wer viele qualitativ hochwertige Creatives liefern kann, hat einen strukturellen Vorteil – unabhängig davon, wie gut die Kampagnensteuerung ist. Das macht das neue Angebot strategisch relevant, nicht nur ergänzend.

Trusted Advisor: Wohin sich die Agenturrolle entwickelt

Arne beschreibt, wie AdStrat schon immer proaktiv beraten hat – Hinweise auf Webseitenprobleme, Empfehlungen aus anderen Kundenprojekten. Dieser Beratungsanteil wird künftig größer.
Die Verschiebung: Wenn KI-Tools Routineaufgaben übernehmen, entsteht Raum für strategische Beratung. Agenturen werden weniger gefragt sein als Umsetzer und mehr als Orientierungsgeber – etwa bei der Frage, welche KI-Tools für welchen Kundentyp sinnvoll sind.

Transferfrage: Was andere Agenturen daraus ableiten können

Arne formuliert die Kernfrage explizit: Wo ist der Bottleneck in der eigenen Arbeit – und lässt sich daraus ein Zusatzangebot entwickeln? Für AdStor.de waren es fehlende Creatives. Für eine E-Commerce-Agentur könnten es Produktdaten sein: fehlende Attribute, unvollständige Feeds, mangelnde Datenanreicherung.
Das Muster ist übertragbar: Engpass identifizieren, Lösung entwickeln, als Dienstleistung anbieten – intern und extern.

Fazit

AdStrat zeigt, wie ein klassischer Engpass zum Ausgangspunkt eines neuen Geschäftsfelds werden kann. Der Schlüssel war nicht eine große strategische Entscheidung, sondern ein gezieltes Recruiting und die Bereitschaft, das Ergebnis auch anderen Agenturen anzubieten. Die Denksportaufgabe für Zuhörende lautet: Was ist bei euch der Bottleneck – und wäre die Lösung dafür auch für andere ein Angebot wert?

Insights & Updates

Bleib auf dem Laufenden: ausgewählte Insights, Updates und neue Inhalte von askensio.
Direkt in dein Postfach.

Dankeschön! Jetzt nur noch die Eintragung bestätigen.
Oops! Hier hat etwas nicht funktioniert.