Adaptive Agency Dialog

Das Denken wird nicht delegiert – KI-ready bleiben, ohne das Team zu verlieren

Warum Jahreslizenzen bei KI-Tools ein teurer Fehler sein können – und wann Abwarten die klügere Strategie ist

Host Arne Tensfeldt spricht mit Sachar, Chief Attention Officer bei hypr aus Berlin, über eine zentrale Frage für Agenturen: Wie bleibt man KI-ready, ohne das Team zu überfordern und die Kosten aus dem Ruder laufen zu lassen? Im Gespräch erklärt Sachar, warum hypr das Denken grundsätzlich nicht an KI delegiert – und warum das der einzige wirklich unumstößliche Grundsatz in einer sonst hochflexiblen KI-Strategie ist. Er beschreibt, wie die Agentur mit 17 Personen lernte, zwischen echten Innovationssprüngen und ermüdendem Tool-Hopping zu unterscheiden, und wann es sinnvoller ist, auf eine neue Welle zu warten, statt sofort aufzuspringen. Außerdem: Warum Jahreslizenzen bei KI-Tools ein teurer Fehler sein können – und wie interne Champions und ein wöchentlicher Teamcall das Wissen in der gesamten Organisation verteilen. Ein Gespräch für Agenturinhaber:innen und Führungskräfte, die KI strukturiert einführen wollen, ohne ihr Team dabei zu verlieren.

Sachar Klein

Sachar ist Chief Attention Officer und Gründer von hypr, einer Kommunikationsberatung aus Berlin mit 17 Personen. Er begleitet Unternehmen dabei, Klarheit über ihre Positionierung zu entwickeln, und beschäftigt sich seit dem Aufkommen generativer KI intensiv damit, wie Agenturen KI sinnvoll und nachhaltig in ihre Arbeitsweise integrieren können.

https://www.linkedin.com/in/sacharkriwoj/

Wie führt man eine Agentur durch den KI-Wandel, ohne das Team zu überfordern und die Kosten explodieren zu lassen? Arne Tensfeldt spricht mit Sachar, Chief Attention Officer und Gründer von hypr aus Berlin, über drei Jahre gelebte KI-Praxis in einer 17-köpfigen Kommunikationsberatung. Das Gespräch ist weniger technisch als erwartet – und genau das macht es wertvoll.

Wertschöpfung neu denken: Was ist eigentlich unser Job?

Mit dem Aufkommen generativer KI stellte hypr sich die Frage, wofür Kund:innen eine Kommunikationsagentur noch beauftragen, wenn jede Person selbst Texte schreiben kann. Die Antwort war ernüchternd klar: Der Text war nie die eigentliche Leistung. Die Beratung – das gemeinsame Erarbeiten von Klarheit über Positionierung, Haltung und Botschaft – war es schon immer.
**Kernerkenntnis:** KI kann beim Formulieren helfen, aber nicht beim Denken. „Das Denken zu delegieren ist bei hypr verboten" – dieser Grundsatz ist der einzige, der nicht zur Disposition steht.

Der einzige unumstößliche Grundsatz: Denken bleibt beim Menschen

hypr nutzt KI als Sparringspartner, Challenger und Wegbereiter – aber nicht als Ersatz für eigenes Urteilsvermögen. Ergebnisse werden kritisch hinterfragt und angepasst. Kein Teammitglied wurde wegen KI entlassen. Die Arbeit ist nach Sachars Einschätzung substanzieller und konsistenter geworden – nicht weniger.

Regelwerke veralten schneller als man sie schreibt

hypr hat ein KI-Regelwerk – das gestern als veraltet auffiel, als eine neue Kollegin ongeboardet wurde. Sachar beschreibt den Zustand offen: „Wir bauen dieses Fahrzeug, während wir fahren." Feste Richtlinien werden in synchronen Teamgesprächen kontextualisiert, nicht nur in einem Wiki abgelegt. Denn nur wer versteht, *warum* eine Regel gilt, hält sie auch dann ein, wenn sie sich ändert.

Tool-Hopping kostet mehr als Lizenzgebühren

Jedes neue Modell bringt neue Möglichkeiten – und neue Wechselkosten. Sachar beschreibt, wie hypr zwischen November 2025 und Anfang 2026 mehrfach das primäre Sprachmodell wechselte: von OpenAI zu Gemini, dann zu Claude mit Co-Work. Seit Mitte Januar 2026 hat das Tempo so stark zugelegt, dass das Team schlicht ermüdet ist.
\> „Ich habe in sehr viele leere Gesichter geschaut und festgestellt, die sind ermattet von diesem Innovationsdruck."
Die Konsequenz: hypr wechselt nur noch dann, wenn der Unterschied wirklich substanziell ist. 20 % Aufwand für 2 % Verbesserung lohnt sich nicht – weder für Tools noch für Hardware.

Jahreslizenzen bei KI-Tools: ein teurer Fehler

Aus der klassischen Softwarewelt gewohnt, Jahreslizenzen zu greifen, machte hypr denselben Fehler bei KI-Tools. Ergebnis: eine laufende ChatGPT-Jahreslizenz, obwohl das Tool über Monate kaum genutzt wurde, weil Gemini und Claude besser passten. Die Lektion: Monatliche Lizenzen sind bei KI-Tools trotz höherem Preis oft die klügere Wahl – weil Flexibilität mehr wert ist als der Rabatt.

Die KI-Architektur von hypr: pragmatisch statt vollständig

hypr nutzt Notion als zentrale Arbeitsplattform. Über Notion AI haben alle Teammitglieder Zugriff auf Sprachmodelle von OpenAI, Google und Anthropic – mit deaktiviertem Training auf Kundendaten. Ergänzt wird das durch Ben, einen externen Entwickler, der seit September individuelle KI-Lösungen in Notion baut. So bleibt hypr unabhängig von einzelnen Tool-Anbietern und kann Ideen umsetzen, die sonst Fantasie geblieben wären.

Champions identifizieren, Bühne geben, Wissen verteilen

2023 startete hypr mit zwei designierten „AI-Scouts", die beauftragt waren, Wissen ins Team zu tragen. Heute ist das Modell breiter: Zwei bis vier Personen mit hoher Affinität für Innovationen beobachten den Markt, testen in ihrer Freizeit – und stellen Erkenntnisse im wöchentlichen Montagsmeeting vor. Dieser einzige synchrone Touchpoint in einem vollständig remote arbeitenden Team ist der zentrale Kanal für Wissenstransfer.
Champions brauchen keine Sondertitel, aber eine Bühne und die Legitimation, Zeit auf Exploration zu verwenden.

Human Readiness vor AI Readiness

Sachar verweist auf einen Kunden, der nicht nur von „AI Readiness" spricht, sondern von „Human Readiness for AI". Der Unterschied ist entscheidend: Technische Zugänge zu schaffen ist das Einfachere. Menschen dazu zu bringen, KI als Chance statt als Bedrohung des eigenen Arbeitsplatzes zu verstehen, ist die eigentliche Führungsaufgabe.

Fazit

hypr zeigt, dass KI-Integration kein Technologieprojekt ist, sondern eine Daueraufgabe in Führung, Kultur und Lernfähigkeit. Die wichtigste Entscheidung ist nicht, welches Modell man nutzt – sondern wann man einen Schritt aussetzt. Wer nicht auf jede Welle springt, verliert nicht den Anschluss. Wer sein Team mitnimmt, gewinnt langfristig mehr als jede Effizienzoptimierung durch das neueste Tool.

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