Adaptive Agency Dialog

Wer lehrt, dem vertraut man - Verbesserten Kunden-Retention durch Weiterbildung

Wie die Amazon Ads Agentur Conpaw aus Hamburg mit ihrem Weiterbildungsangebot neue Kunden gewinnt und deren Retention verbessert.

Host Arne Tensfeldt spricht mit Philipp Wicke zum Thema: Weiterbildung neben Done-for-you — klingt nach Ablenkung, ist aber das Gegenteil. Philipp Wicke hat aus seiner Amazon-Advertising-Agentur heraus ein Trainingsformat entwickelt, weil Kunden ihn wiederholt nach qualifizierten Fachkräften fragten, die es am Markt kaum gab. In dieser Episode spricht er über die Entstehung seines Programms, warum aus geplanten 6 Monaten eine 3-Monats-Laufzeit mit Verlängerungsoption wurde, und warum seine Videobibliothek bewusst aus 5–10-Minuten-Häppchen besteht. Außerdem: Warum die Konversion zwischen Training und Done-for-you bidirektional bis zu 50 % erreicht. Und warum er rückblickend viel früher mit einer Beta gestartet wäre. Ein konkretes Gespräch für alle, die beide Formate verzahnen wollen.

Philipp Wicke

Philipp Wicke ist Gründer und Geschäftsführer der Conpaw GmbH aus Hamburg. Seit über 8 Jahren unterstützt er Amazon Seller und Mittelständler mit einem Jahresumsatz von über einer Million Euro – entweder mit vollständig gemanagtem Amazon Advertising oder mit eigenem Weiterbildungsformat, das Vertrauen schafft und Türen öffnet.

https://www.linkedin.com/in/philipp-wicke/

Im Gespräch mit Arne Tensfeldt berichtet Philipp Wicke, wie aus seiner Amazon-Advertising-Agentur heraus ein strukturiertes Weiterbildungsformat entstanden ist – und warum dieses die Done-for-you-Dienstleistung nicht kannibalisiert, sondern gegenseitig befruchtet.

Die Entstehung

Amazon Advertising war vor 5–8 Jahren eine junge Disziplin ohne etablierte Ausbildungswege. Kunden fragten Philipp wiederholt nach qualifizierten Fachkräften – die es am Markt kaum gab. Parallel musste er in seiner eigenen Agentur immer wieder neue Mitarbeiter einzeln einarbeiten und bemerkte: „Ich rede immer über die gleichen Sachen." So begann er, Inhalte strukturiert aufzubereiten.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass es im Markt zwei klar getrennte Zielgruppen gibt: Unternehmen, die Amazon Advertising komplett abgeben wollen – und solche, die es zwingend intern aufbauen möchten. Aus dieser Doppelbewegung ist das Weiterbildungsformat entstanden, das seit rund anderthalb Jahren live am Markt ist.

Programmstruktur

Standardmäßig startet die Zusammenarbeit mit drei Monaten Laufzeit, die flexibel verlängert werden kann. Im Durchschnitt pendelt sich das bei vier Monaten ein. Ursprünglich waren sechs Monate geplant, doch das wirkte für viele Interessenten zu lang und preislich abschreckend – drei Monate fühlen sich überschaubar an. 80 % der Teilnehmenden verlängern um mindestens einen Monat.

Das Format ist bewusst auf 1:1-Betreuung ausgelegt, kein Gruppenformat. Das hat zwei Gründe: Die Starts der teilnehmenden Unternehmen sind sehr individuell, und Amazon-Händler behandeln ihre Accounts als strikte Geschäftsgeheimnisse. Teilnehmende Unternehmen haben typischerweise mindestens 1 Mio. € Jahresumsatz.

Die Delivery kombiniert drei Elemente: eine Videobibliothek, zwei wöchentliche 1:1-Termine und laufenden E-Mail-/Teams-Support.

Warum kurze Videos gewinnen

Die Videobibliothek ist vom Start weg von 10 auf mittlerweile 30 Stunden angewachsen. Entscheidend ist dabei die modulare Struktur: Videos sind bewusst 5–10 Minuten lang, keine 60-Minuten-Blöcke.

Philipp erklärt den Hintergrund pragmatisch: Wird in einem 60-Minuten-Video ein 10-Minuten-Abschnitt veraltet, muss das gesamte Video neu produziert werden. Bei kurzen Modulen lässt sich punktgenau aktualisieren. Zusätzlich zeigt die Plattform-Analytik: Kurze Videos werden nahezu zu 100 % konsumiert – Abbrüche sind selten. Bei längeren Formaten wäre das deutlich anders. Und: Wenn Teilnehmer schon zwei Stunden nur fürs Anschauen blocken müssten, bleibt in der Umsetzung zu viel auf der Strecke.

Aktualität durch Done-for-you

Die Kombination aus beiden Geschäftsmodellen ist ein struktureller Vorteil: Durch die laufende Done-for-you-Arbeit über viele Accounts hinweg bemerkt das Team Algorithmus-Updates und Plattform-Änderungen früh und auf größerer Skala, als es ein einzelner Händler je könnte. Diese Erkenntnisse fließen direkt in die Weiterbildung zurück.

Wer lehrt, dem vertraut man – der bidirektionale Effekt

Der zentrale Mechanismus: Wer lehrt, baut Vertrauen auf. Philipp hatte intern mit einer Konversionsrate von 10–20 % zwischen Training und Done-for-you gerechnet. Die Realität: Bis zu 50 % wären möglich – bewusst nicht immer ausgeschöpft, weil nicht jeder Account passt oder Kapazitäten es zulassen.

Die Übergänge funktionieren in beide Richtungen:

  • Training → Done-for-you: Besonders Geschäftsführer nehmen motiviert teil, merken aber, dass sie es zeitlich nicht leisten können – und beauftragen dann die Agentur.
  • Done-for-you → Training: Kunden, die Kompetenz zunehmend intern aufbauen wollen, schicken neue Mitarbeiter ins Programm – die Agentur kennt den Account bereits.

Der Effekt auf die Zusammenarbeit ist in beiden Richtungen derselbe: Deutlich weniger Onboarding-Aufwand, kein Kulturschock, spürbar höheres Grundvertrauen. Die Kunden kennen die Methodik und Philosophie bereits – es muss viel weniger erklärt werden.

Was KI (noch) nicht ersetzt

Auf die Frage, ob sich so ein Format im KI-Zeitalter überhaupt noch lohnt, gibt Philipp eine differenzierte Antwort. Reines Fachwissen wird zunehmend frei verfügbar – das stimmt. Aber die Kombination macht den Unterschied: vorgefiltertes Wissen an einem Ort, Account-Audits, Hausaufgaben-Feedback und vor allem der Accountability-Push durch regelmäßige Nachfragen. Dazu kommt ein praktisches Problem: Viele Teilnehmer können ihre eigenen Ziele und Strategien gar nicht präzise genug artikulieren, um einer KI den nötigen Input zu geben.

Geschäftliche Einordnung

Die Weiterbildung macht aktuell 10–20 % des Gesamtumsatzes aus. Bewusst nicht auf maximale Skalierung getrimmt, sondern auf Qualität – entsprechend anders ist auch die Preispositionierung gegenüber reinen Videokursen. Und: Die Leads aus dem Programm sind hochqualitativ und führen oft zu langfristigen Retainern im Done-for-you-Modell.

Delivery – Learning – Sales

Im askensio-Framework durchläuft das Gespräch die drei Stufen:

Delivery: Das Programm als System – Videos, 1:1-Termine, laufender Support.

Learning: Feedback wird aktiv in den wöchentlichen Terminen eingeholt. Neue Mechaniken werden laufend getestet – etwa ob häufigeres Nachfassen die Accountability erhöht. Erkenntnisse aus dem Done-for-you-Geschäft fließen als Best Practices direkt ins Training zurück.

Sales: Durch die tiefe Lernphase im Training kennt die Agentur den Kunden bereits genau, wenn es zum Done-for-you-Übergang kommt. Es gibt keinen Gap zwischen Vertriebsversprechen und Delivery – die Kunden haben die Arbeitsweise selbst erlebt.

Die wichtigste Lektion: Früher an den Markt

Philipps konkretester Rat an andere Agenturen, die über ein vergleichbares Format nachdenken: Nicht zu lange im stillen Kämmerlein entwickeln. Die Arbeit begann 2021, der Launch war 2025 – dazwischen lag ein kompletter Neuaufbau mit anderthalb Jahren Redesign-Arbeit zu zweit.

Die Erkenntnis: Sobald die ersten echten Teilnehmer im Programm waren, nahm die Entwicklung eine ganz andere Dynamik an. Lücken wurden viel schneller sichtbar – obwohl vorher interne Mitarbeiter das Produkt getestet hatten. Die Empfehlung: Mit einem vernünftigen Grundgerüst als bewusste Beta an den Start gehen, das offen kommunizieren und gemeinsam mit den Kunden weiterentwickeln.

Gleichzeitig warnt Philipp vor zu viel Euphorie: So ein Format ist kein Selbstläufer. Es ist ein eigenes Produkt, das Zeit, Abstimmung und Wochenendarbeit verlangt – und diese Zeit muss man einplanen können.

Fazit

Weiterbildung und Done-for-you kannibalisieren sich nicht. Im Gegenteil: Sie befruchten sich gegenseitig, erzeugen planbare Umsätze über drei bis vier Monate, generieren hochqualitative Leads und festigen das Standing im Markt. Wer lehrt, dem wird vertraut – und genau dieses Vertrauen ist in einem zunehmend KI-geprägten Umfeld einer der wertvollsten Aktivposten einer Agentur.

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